Herr Mayasilci bleibt
Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, säße Suat Mayasilci heute zuhause im Sessel und würde mit seinen Enkelkindern spielen. Der Ruhestand wäre auch höchstverdient gewesen, denn wer Herrn Mayasilci kennt, weiß, wie zuverlässig und akribisch er arbeitet.
Seit zehn Jahren ist er schon bei der HWK und hat nach dem Durchlaufen des Berufsbildungsbereichs direkt in die Therapieliegen-Werkstatt gewechselt. Ein Glücksgriff für beide Seiten, denn alle im Team schätzen Herrn Mayasilcis ruhige und konzentrierte Art. Was er anpackt, das macht er mit System. Er kennt jeden Handgriff und jedes Einzelteil für alle Liegenmodelle. Wenn Herr Mayasilci da ist, läuft es.
Und andersherum ist Herr Mayasilci dankbar dafür, dass er bei den HWK Therapieliegen seinen Platz gefunden hat. Er war schon immer ein Macher, Montage liegt ihm. Früher hat er viel an Autos geschraubt, als man diese noch in ihre Einzelteile zerlegen konnte. Einen Motor auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen, war für ihn ein Kinderspiel.
Der durchaus anspruchsvolle Job bei den Therapieliegen fällt ihm nach eigener Aussage leicht. Und als er damals eingestiegen ist, hat es nicht viele Worte gebraucht: „Ich bin einfach den Kollegen hinterhergelaufen und habe mir gemerkt, welche Teile ich woher holen muss.“ Nicht, weil keiner bereit gewesen wäre, es ihm zu erklären. Es war einfach nicht nötig.
Den Platz in der Werkstatt zu bekommen, war für ihn damals die Rettung. Krankheitsbedingt war er frühverrentet, was seiner Gesundheit wiederum ganz und gar nicht zugutekam. Bei einem Klinikaufenthalt wurde ihm der Vorschlag gemacht, sich auf einen Werkstattarbeitsplatz zu bewerben. „Das klang gut für mich, also habe ich mich informiert und ich wollte das versuchen. Leider musste ich damals noch ein Jahr warten, bis ein Platz frei wurde.“
Mit Eintritt in die Werkstatt änderten sich die Dinge dann zum Besseren. Seine Krankheit war hier kein Problem und er fand eine sinnvolle Aufgabe, bei der er seine Talente einbringen konnte. Die Tagesstruktur und das Miteinander im Team taten ihm ebenso gut wie die Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wurde. „Ich wurde wieder ein ganz anderer Mensch“, sagt er selbst heute.
„Allen da draußen, die die Werkstätten abschaffen wollen, kann ich nur sagen, ihr habt keine Ahnung. Natürlich, der Lohn ist knapp, aber wir bekommen hier so viel Anderes. Ich bin seit 1973 in Deutschland und ich war überall, aber gesehen habe ich nichts. Erst mit der HWK war ich im Heidelberger Schloss, wir waren im Naturkundemuseum und bei Mercedes Benz in Stuttgart. Wir bekommen hier jeden Tag Mittagessen. Alle hier sind freundlich, das ist besser als alleine zuhause zu sitzen. Ich bin dankbar für den Platz hier, sagen Sie das allen da draußen! Schreiben Sie das auf!“, ist sein Anliegen in unserem Gespräch.
Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, säße Suat Mayasilci heute zuhause im Sessel und würde mit seinen Enkelkindern spielen. Aber Pläne ändern sich – in diesem Fall glücklicherweise, denn anstatt wie geplant im Oktober dieses Jahr in Rente zu gehen, hat Herr Mayasilci kurzfristig beschlossen, doch noch eine Weile bei der HWK zu bleiben. Wir freuen uns darüber sehr, denn er ist ein wichtiger Mitarbeiter im Team und wird hier gebraucht! Und die Enkel sieht er trotzdem häufig, wie er mir versichert hat.
Interview und Text: Tatjana Schäffner

